Halbe Sachen: Mein Weg zum Halbmarathon

Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich es tatsächlich gewagt, mich für einen Halbmarathon im April anzumelden und lasse damit meinen Traum von 2017 wahr werden. Brennende Fragen, die keiner gestellt hat, beantworte ich in diesem Beitrag.

Seit wann trainierst Du?

Meine letzte Laufpause dauerte von Ende April bis Ende September 2018. Da meine Lieblingstemperatur zwischen fünf und zehn Grad Celsius liegt, wird mir das Training im Sommer einfach zu heiß. Seit September 2018 trainiere ich also wieder ununterbrochen.

Nach welchem Trainingsplan richtest Du dich?

Meinem eigenen. Das ist auch mein Tipp für Euch: Betreibt eine (nicht zu ausführliche) Recherche und erstellt dann einen eigenen Plan, der Euch realistisch erscheint. Wer sich zu viel durch diverse Foren und Online-Ratgeber klickt, verliert schnell den Überblick. Als Anfänger werdet ihr einen Halbmarathon wahrscheinlich nicht in der Spitzenleistungsgruppe absolvieren können und müsst aus dem Projekt entsprechend keine Wissenschaft machen. Falls ihr erfahrene Freunde habt, fragt diese um Rat! Ich selbst habe drei Monate auf eine halbe Stunde Dauerlauf hingearbeitet und erst danach schrittweise Strecken über sechs, acht oder zehn Kilometer eingebaut. Von einer guten Freundin bekam ich den Tipp, jede Woche zwei kürzere Distanzen von sechs bis neun Kilometern und eine längere Distanz, um die 14 Kilometer, zu laufen. Ebendiese Freundin riet mir auch, mich von diversen Meinungen und Zeittabellen online nicht verrückt machen zu lassen. Zwischen den Trainingstagen fahre ich gern Fahrrad oder gehe spazieren. Ein paar zusätzliche Ganzkörper-Dehnungsübungen können sicher nicht schaden. Leider bin ich dafür aber meistens zu faul.

Welche Probleme sind aufgetreten?

Einige: ein kurzzeitig überlasteter, geschwollener Zeh, Fußschmerzen, Knieschmerzen, Bauchkrämpfe. Zum Glück musste ich zu keiner Zeit wegen Krankheit pausieren. Die verschiedenen Beschwerden waren nur vorübergehend präsent und haben mich gelehrt, das Trainingspensum nicht zu eilig zu steigern. Ein weiteres Problem sind die langweiligen Laufstrecken. Sobald man über Monate immer wieder die gleichen zehn Kilometer läuft, wird es schlicht langweilig.

Welche Zielzeit visierst Du an?

Mein bisher längster Lauf umfasste 15,6 Kilometer in 90 Minuten. Da ich mich bereits in der letzten Trainingsphase befinde, wird das finale Viertel der Strecke völliges Neuland für mich. Beim „Wettkampf“ wäre ich mit unter 140 Minuten zufrieden, unter 135 Minuten glücklich und unter 130 Minuten sehr stolz. Vorab möchte ich mich nicht verrückt machen. Es wird mein erster großer Lauf. Es besteht die Möglichkeit unvorhergesehener Dinge, die mich ausbremsen oder zum Abbruch zwingen könnten.

Was hält Dich motiviert?

An vielen Trainingstagen fehlt mir die Motivation oder auch einfach die Kraft. Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren und auf das befreiende Gefühl nach dem Lauf zu warten. Ich habe zwar manche Einheiten verschoben, aber nie ausfallen lassen. Die Vision vom Zieleinlauf holt mich immer wieder aus mentalen Tälern. Außerdem wirken die Momente, in denen meine Bewegungen mechanisch, fast reibungslos abzulaufen scheinen, wie kleine geistige Feuerwerke. Die passende Musik steigert diesen Effekt.

Mit welchen Schuhen läufst Du?

Ich laufe immer noch mit den Saucony Guide 10, die ich vor über einem Jahr zum Neubeginn fürs Laufen gekauft habe. Die Abnutzung ist natürlich zu sehen, meinen Füßen fügen sie aber (noch) keinen spürbaren Schaden zu.

Was ist das Schlimmste am Training?

Sich immer wieder aufzuraffen. Es ist jedes Mal die gleiche innere Diskussion. Auch Momente des Bergauflaufens, in denen die Füße sich nur in gefühlter Zeitlupe voreinander schieben, sind schlimm. Dann kommt schon mal die Frage auf, wem ich hier eigentlich was beweisen will.

Was ist das Schönste am Training?

Die Gewissheit, sich nach einem Tag voller Rumsitzerei etwas Gutes getan zu haben, der Anblick von Sonnenuntergängen, Mondaufgängen und Abendhimmeln allgemein (siehe Titelbild), andere zu überholen oder wenigstens nicht überholt zu werden und meine zwei bisherigen Begegnungen mit Rehen. Und am wichtgisten ist wohl die Erkenntnis, dass ich jetzt schon geschafft habe, was mir vor Jahren unmöglich schien: Die doppelte Maschseerunde.

Irgendwelche besonderen Vorfälle?

Gab es letzte Woche. Der Tag war vollkommen verregnet und meine linke Socke schien vorne am Fuß zu kleben. Mein Gedanke: Die Schuhe sind nun mal durchgeweicht. Nachdem ich wieder zuhause war und die Schuhe reinholte, entdeckte ich die blutige Sohle. Der Blick ins Haus offenbarte ein Tatort-Szenario. Ich bin mit einem blutenden Fuß durchs ganze Haus gelaufen. Die Ecke eines Fußnagels hatte den Nachbarzeh buchstäblich aufgerissen.

Der Tag des Laufs rückt näher – schon nervös?

Definitiv JA! Ich träume wie bereits erwähnt seit Monaten vom 07.04., genauer gesagt von der Ziellinie und wünsche mir, sie laufend sowie mit mindestens viertel-hochgezogenen Mundwinkeln zu überqueren.


Mein abschließender Tipp für Literaturfans und Sportler: Haruki Murakami schreibt in „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ über seine persönlichen Erfahrungen als Schriftsteller und gleichzeitiger Langstreckenläufer. Er entdeckt die Analogien beider Disziplinen und beschreibt besonders schön die Herausforderungen, aber auch Vorteile, diese miteinander zu vereinen. Das Buch habe ich letztes Jahr von einer guten Freundin zum Geburststag geschenkt bekommen und war positiv überrascht.

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