Mein Cello und ich

This is the most adorable thing ever, I love it!! ♥♥♥

Wenn ich gefragt werde, sage ich ich spiele, seitdem ich neun Jahre alt war. Aber das stimmt nicht ganz. Nach dem Schulabschluss hielt ich mein Cello vielleicht ein oder zwei Mal in der Hand.

Zu Schulzeiten hatte ich neben dem Musikunterricht jede Woche auch Orchesterproben. Die Erkenntnis, dass ich über einen so langen Zeitraum nie gänzlich mit Herz und Kopf dabei war, tat zwar weh, hielt mich aber auch nicht vom Weitermachen ab. Ich bin ein Profi im Ausharren. Wie oft ich da saß, mit dem Cello in der Hand, Noten vor der Nase und der Frage, was ich jetzt stattdessen machen könnte? Ich habe es nicht gezählt. Die Stunden, in denen ich gespielt habe, waren nie die glücklichsten. Und sie wurden immer weniger, bis ich die Instrumententasche schließlich vorerst schloss.

Ich überlegte seitdem manchmal unkonkret, einen Neuanfang zu wagen. Das Problem: Mein Cello befand sich in einem unspielbaren Zustand. Der Stimmstock (die „Seele des Instruments“, wie ich später herausfand) hatte sich gelöst und klapperte über ein Jahr im Korpus herum. Ich musst die Saiten lösen und einen Geigenbauer suchen, ehe ich wieder üben konnte. Ganz schön abturnend für sprunghaft Ungedudige, aka mich.

Während der Feier meines Abiturjahrgangs kurz nach Weihnachten 2016 erzählte mir ein Bekannter aus dem Schulorchester, dass er wieder angefangen habe, Geige zu spielen. Es laufe beschissen schwierig. Trotzdem klang er glücklich über seine Entscheidung. Wie ist das, ein altes Hobby wieder aufzunehmen? Vor allem eines, für das man nie wirkliche intrinsische Motivation aufgebracht, nie wirklich gebrannt hat? Seit diesem Gespräch wollte ich es herausfinden.

Vor wenigen Wochen habe ich es endlich gewagt. Ein Geigenbauer ersetzte den zu kurzen Stimmstock und bezog meinen Bogen neu. Als ich zum ersten Mal nach der Reperatur die leeren Saiten strich, durchzogen mich Glück, Ehrfurcht und Skepsis. Ich wollte unbedingt wieder anfangen, merkte aber sofort, wie eingerostet meine Hände sich bewegten. Nach Durchsicht meiner Notensammlung beschlossen mein Vater und ich direkt, an Heiligabend ein paar Duette zu spielen. Die Familie darf sich schon freuen, gemeinsam „Es ist ein Ros entsprungen“ zu smashen.

Ich weiß nicht, ob ich meinen zweiten Anlauf des Musikerdaseins über die Weihnachtstage und Silvester ins nächste Jahr retten kann. Ich weiß auch nicht, ob ich jemals wieder den einigermaßen korrekten Wechsel zwischen 2., 3., 4. und Daumenlage schaffe. Aber ich möchte es wenigstens versuchen, um den geistigen Kontakt zu meinen kläglich erarbeiteten Fähigkeiten nicht komplett zu verlieren.

Eigentlich spiele ich, seitdem ich neun Jahre alt war.

 

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