Die Nachtigall des Rap

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Für die HAZ habe ich vor kurzem Chefkets neues Album „Nachtmensch“ rezensiert. Die verlängerte Version könnt ihr hier nachlesen.

Jahrelang musste sich Chefket, bürgerlich Şevket Dirican, schlechte Karrieretipps anhören: Er solle entweder härter rappen oder nur singen. Er solle mehr auf seine türkische Herkunft anspielen, das würde Aufmerksamkeit bringen. Aber Chefket lässt sich nicht verbiegen. Lieber gibt er gemeinsam mit Kollegen wie Marteria dem deutschen Rap auf charmante Weise das zurück, was während der blinden Pöbelei der Nullerjahre gefehlt hat: Authentizität abseits von Beleidigungen und Statusgehabe. Sein drittes Album „Nachtmensch“ klingt erfrischend leichtfüßig, tiefgründig und durchdacht.

Schon im Opener „Rap & Soul“ erklärt Chefket, dass er sich nicht auf ein Genre beschränkt. Auch thematisch folgen die Songs einer eigenen Linie zwischen Philosophie und Hedonismus, Politik und Persönlichem. In „Nachtmensch“ unterlegt Chefket Gedanken rund um die im Dunkeln entstehenden Paralleluniversen mit Klaviergeklimper, dumpf scheppernden Drums, miauenden Katzen und Waldkauzrufen. Auch „Träume“ bleibt ruhig, vermischt ein Sample der Jazz-Sängerin Melody Gardot mit sphärischer Trompete, souliger Gitarre und der Erkenntnis: „Geld ist Nebensache, nur meine Träume machen mich zum reichen Mann“. Auch Energie kann Chefket freisetzen. Etwa im funkigen „Lass gehn‘“, einem augenzwinkernden Rap über den Aufriss im Club, der den Zuhörer zum Tanzen und Lachen bringt.

„Nachtmensch“ ist tatsächliche eine klischeelos intelligente Platte für alle Wachgebliebenen – voller Spaß und Entspannung. Unbedingt anhören, wenn mal wieder die Schlaflosigkeit plagt.

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