Das reicht mir

Buy Less, Choose Well. Vivienne Westwood Was ist passiert mit der Mode? Mid-season-sale? Fast fashion? Was für ein Wortmüll! Und die Müllkette wird länger, durch massenhafte Kleidungskäufe in kurzer Zeit. Sie scheinen vor allem zum Sport der jungen Generation geworden zu sein. Hat schon mal jemand von Euch Menschen drei volle Einkaufstüten nach Hause schleppen sehen und sich gefragt, was da alles drin sein soll? In sogenannten Shopping Hauls (für mich ein Unwort des Jahrzehnts) in Video- oder Postform verraten sie es online, werden geklickt und für ihren guten Geschmack ihre Kleiderhortung gefeiert. Youtube bietet beispielsweise aktuell rund 725.000 Videos zum Stichwort „Shopping Haul“. Ich kann nicht glauben, dass jemand so wenig Kleidung besitzt, dass er auf einen Schlag 350 Euro für über 60 Kleidungsstücke bei Primark bezahlt. (Diese Zahlen basieren auf einem Video, das wirklich existiert.) Jeder möchte ein großes Stück vom Modekuchen haben, natürlich für möglichst wenig Geld. So funktioniert das nur leider nicht.

Schon seit längerem beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Irgendwo hat diese schöne bunte Textilwelt ein paar Risse, wir sehen sie nur nicht. Diffus hört man vom Grauen im fernen Osten. Von unmöglicher Arbeitsbelastung, nicht existenten Mindestlöhnen und chemischer Umweltzerstörung. Seitdem ich angefangen habe, mich selbstständig zu informieren, steht mein Plan: Weniger und qualitativere Kleidung kaufen. Vorbilder existieren schon! Madeleine macht auf dariadaria.com vor, wie es funktionieren kann: zu fairen Bedingungen hübsch ausgestattet sein. Natürlich mache ich mir aber auch selbst Gedanken, wie man die schnelllebige Mode umgehen kann.

1. Weniger besitzen wollen

Der erste und simpelste Tipp: Lernen, weniger zu wollen. In diesem Artikel auf Journelles.de ging es vor einigen Tagen um Klamotten, Luxus und Neid. Auch ich habe ein paar Zeilen zur Diskussion beigetragen. Meine Erkenntnis: Neid keimt dort, wo ein Bedürfnis entsteht, das ich nicht stillen kann, jemand anderes aber schon. Ich selbst sehe gerne schöne Dinge, verspüre aber nicht ständig den Drang sie zu besitzen. Stichwort Freiheit im Kopf. Ich muss nicht jedem Trend folgen, nur weil alle Lieblingsblogger ihn gerade vorführen. Stattdessen gilt: Langfristig denken, bewusst kaufen. Denn egal ob ökologisch produziert oder nicht, jedes neu genähte Kleidungsstück verbraucht Ressourcen.

2. Den Kleiderschrank analysieren

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum transformierten Kleiderschrank ist die Bestandsaufnahme. Leert Euren Kleiderschrank einmal komplett. Guckt beim Wiedereinsortieren alles genau an. Wie viel Prozent der Sachen befinden sich in Eurer täglichen oder wöchentlichen Outfitrotation, welche in Eurer monatlichen, welche gar nicht? Hängt alle Kleiderbügel verkehrt herum in den Schrank. Wenn Ihr ein Teil anzieht, hängt dessen Kleiderbügel wieder richtig herum. Nach sechs Monaten ist dann leicht überprüfbar, was genutzt wird und was nicht.

3. Auf die Schilder achten

Durchkämmt Euren Kleiderschrank nochmal. Guckt alle Schilder an, die verwendeten Materialien und das angegebene Herkunftsland. Fallen Zusammenhänge zwischen den Stoffzusammensetzungen, der Qualität und der „Made in“-Information auf? Fallen einige Marken auf, weil sie gehäuft minderwertige Kleidung produzieren? Behaltet die Erkenntnisse auch für zukünftige Käufe im Gedächtnis. Bei mir ist der Blick auf die Etiketten fast schon Routine geworden.

4. Die Augen offen halten

Die Geschehnisse in Asien scheinen für uns in Europa und Amerika unendlich weit entfernt. Es fehlt einfach der persönliche Bezug. Keiner von uns hat Kontakt zu einem Menschen, der unter unwürdigen Bedingungen sechs Tage die Woche täglich 12 Stunden arbeiten muss. Wir sollten uns das trotzdem klar machen: Das stinkende, billige T-Shirt hielt womöglich mal ein 13-jähriges Kind in den Händen und vernähte dessen Säume. Und überhaupt: Wo auf der Weltkarte liegen eigentlich Staaten wie Bangladesch oder Kambodscha? Wie viele Menschen leben dort? Wie sieht ihr Alltag, wie sehen ihre Arbeitsplätze aus? Wer sich Informationen beschafft, kann das volle Ausmaß des eigenen Handels zumindest erahnen.

5. Weniger bummeln

Mal eben noch kurz in die Stadt, gucken was es neues in den Läden gibt? Logisch! Dank des fast fashion-Systems wechselt das Kollektionssortiment ja fast täglich. Mir ist aufgefallen, dass Begehrlichkeiten besonders bei spontanen Einkaufstouren entstehen. Dem widerstehe ich inzwischen, so kann ich auch impulsive Fehlkäufe vermeiden und Geld sparen, das ich besser investiere. Zum Beispiel in die Jahreskarte meiner Stadtbibliothek, reinstes Futter für die Seele. Bücherregale durchforste ich inzwischen viel lieber, als Kleiderstangen.

6. Listen schreiben

Ihr habt einen Wunsch? Schreibt ihn auf. Legt eine Liste an mit Dingen, die Eurem Kleiderschrank „fehlen“. Recherchiert ein wenig nach möglichen Teilen. Lasst dem Wunsch Zeit, zu wachsen. Vielleicht wird er über einige Wochen aber auch kleiner oder verschwindet ganz. Dann streicht ihn wieder. Legt für neu gekaufte Kleidungsstücke ebenfalls eine Liste an, mit Datum und Preis. Diesem System folge ich seit letztem November. Ich habe jetzt den vollen Überblick über meinen Textilkonsum und das fühlt sich gut an.


Ich würde gerne wissen, wie Euer Kaufverhalten aussieht, worauf Ihr achtet, was Euch wichtig ist. Und vor allem: Habt Ihr ein Kaufsystem oder weitere Tipps?

Advertisements

3 Kommentare zu “Das reicht mir

  1. Sehr schöner Post! Ich muss sagen, dass ich gerade in der letzten Zeit ein bisschen mit meinem Prinzip gebrochen habe, und doch wieder relativ viel und günstig gekauft habe. Allerdings habe ich vor, damit jetzt wieder aufzuhören (im August gehe ich wieder ins Ausland, dann ist das Geld sowieso wieder knapper…). Ich bin der Meinung, man kann besser in wenige aber hochwertige Teile investieren, die man wirklich haben möchte und schön findet (Stichwort Wunschliste), statt viel, oft und günstig zu kaufen. Deswegen wird mein Kleiderschrank auch demnächst noch einmal so richtig ausgemistet (:

    • Danke für das Lob! Ich stimme zu, es ist nicht immer leicht und nein zu sagen muss man sich antrainieren. Aber es lohnt sich, wenn dann ein paar richtig gute Teile im Schrank hängen, die jahrelang mit Spaß getragen werden. Viel Spaß beim Neusortieren! :-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s