Streifen des Monats: Oh Boy

https://i0.wp.com/www.videoload.de/images/WUHosting09/images/warner/pic_1554663.jpg

Was in Berlin passiert, meint jeder ungefähr zu kennen. Da pulsiert das Leben, da sind Millionen kreative Menschen auf der Suche nach Identität, Aufmerksamkeit und Selbstverwirklichung. Da locken tausende Versuchungen und Möglichkeiten an jeder Straßenecke, da werden Trends gemacht. Berlin ist laut, schnell und mitreißend. Das alles gibt es in „Oh boy“ nicht zu sehen. Hier wird der vermeintliche Durchschnittstyp Niko Fischer einen Tag lang auf seinem Streifzug durch die Stadt begleitet. In schwarz-weiß.

Erscheinungsjahr: 2012

Regie: Jan-Ole Gerster

Hauptrollen: Tom Schilling, Friederike Kempter, Marc Hosemann

Der Plot: Die Fakten zuerst. Niko ist Ende 20, lebt in einer Berliner Altbauwohnung, hat vor längerer Zeit sein Jurastudium abgebrochen, wurde mit 0,7 Promille am Steuer erwischt und musste zum Idiotentest antreten. Außerdem lebt er, neumodisch ausgedrückt, ein Mingle-Dasein. Also jene Grauzonenexistenz zwischen Single und Partnerschaft. Sein Geld ist ihm übrigens auch ausgegangen. Keine schöne Ausgangssituation.

Nun sehen wir Niko durch sein Leben stolpern – in der U-Bahn, beim Einkaufen, in seiner Wohnung, in einer Kneipe. Eigentlich ist er doch nur auf der Suche nach etwas Geld, einem ordentlichen Kaffee und einem Lebensziel. Stattdessen muss er sich von einer Schwäbin die Unterschiede zwischen Kaffeesorten mit absurden Namen erklären lassen. Oder die traurigen Geschichten seines aufdringlichen Nachbarn anhören. Mit seinem Kumpel Matze trifft er in einem Restaurant zufällig seine alte Schulfreundin Julika, die damals übergewichtig und depressiv war. Eine besonders schräge und gleichzeitig melancholische Szene ist neben der Begegnung mit dem reichen Vater im Golfclub auch folgende Situation: Als Niko in einem Plattenbau-Wohnzimmer im Massagesessel einer freundlichen Rentnerin kurz zur Ruhe kommt, vertickt ihr Enkel im Nebenzimmer Drogen. Über den Umweg zur Kneipe landet Niko schließlich im Krankenhaus. Der Film endet mit einer Tasse…

Dem Zuschauer wird schnell klar, dass Niko mit sich und der Welt nicht im Reinen ist. Tom Schilling wurde perfekt besetzt für die Rolle des liebenswerten Losers, der seine Ideale aufgegeben hat und den Ansprüchen seiner Umgebung nicht mehr gerecht wird. Launige 30er-Jahre-Musik begleitet das Treiben und scheint es manchmal sogar ironisch zu kommentieren. Der Trailer vermittelt eine recht lustige Stimmung vom Film. Die ist aber nicht vorherrschend. Eigentlich passiert während „Oh Boy“ auch nicht viel, außer das Leben. Und das gucke ich mir wirklich am liebsten an.

Titelbild

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s