Bekanntheiten im Streifenshirt – Pablo Picasso

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Eines der bedeutendsten Gemälde Pablo Picassos, „Les femmes d’Alger“, wurde heute in New York für 180 Millionen Dollar versteigert. Das ist ein neuer Weltrekord. Grund genug, das Leben des spanischen Malers, Bildhauers und Grafikers zu betrachten. Immerhin gilt er als einer der wichtigsten und einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Außerdem verlieh Picasso dem Streifenshirt eine latent intellektuelle Aura – wie sie Avantgardisten nun mal umgibt.

kürzlicher versteigert: Les femmes d’Alger (1955)

1881 wurde Picasso in Málaga geboren. Sein Vater war bereits Maler und unterrichte den kleinen Pablo, als er sieben Jahre alt war. Seine Lieblingsmotive waren der Stierkampf, Tauben und Herkulesstatuen. Mit zehn ging er auf eine Schule für bildende Künste, mit 14 wurde er an der Kunstakademie „La Llotja“ in Barcelona angenommen, wo ihm direkt zwei Klassen erspart blieben. Mit 15 folgte dann das erste eigene Atelier, wie das bei Wunderkindern eben so läuft.

Schon immer bewegte sich Picasso in avantgardistischen Kreisen. Während seiner ersten Reise nach Paris im Jahr 1900 lernte er viele junge Künstler kennen, ließ sich inspirieren und malte täglich bis zu drei Bilder. Die Rückkehr nach Spanien mit der gleichzeitigen Nachricht, ein Freund habe sich aus Liebeskummer das Leben genommen, kennzeichnen den Beginn der Blauen Periode (1901-1904). Die Bilder aus dieser Zeit zeigen traurige, einsame und arme Menschen in monochromen Blautönen. Mit diesen melancholischen Werken erzielte Picasso damals kaum Gewinn. Eine Anekdote: Seine Pariser Bleibe heizte er im Winter mit eigenen Zeichnungen, weil das Geld fehlte. Im Sommer dagegen war es so heiß, dass er nur mit einem Tuch bekleidet im Flur arbeitete.

Picasso malte sich über die Jahre quasi fröhlich, seine neue Inspiration waren Schauspieler sowie der Zirkus mit seinen Artisten in bunten Kostümen. Die Farbgebung wechselte von kühlen zu warmen Tönen. Picasso experimentierte während der Rosa Periode (1904-1906) zum ersten Mal mit geometrischen Formen, malte seine Figuren in Teile zerlegt und begründete so die Stilrichtung des Kubismus. Diese Stilrichtung gilt aus heutiger Sicht als die revolutionärste Kunstneuerung des 20. Jahrhunderts. Sein 1907 entstandenes Gemälde „Les Demoiselles d’Avignon“ zeigt fünf nackte Prostituierte und wurde damals heftig kritisiert. Leute stempelten es als ungehörig ab. Picasso hatte zu dem Zeitpunkt nur wenige Unterstützer, die sein Potenzial schätzen und seine Arbeit förderten. Einer davon war sein guter Freund und Kollege Georges Braque. Die beiden kooperierten, verglichen sich mit den Brüdern/Flugpionieren Wright und kleideten sich wie Mechaniker. Ihre Zusammenarbeit fruchtete: Ab 1910 erlangte Picasso endlich internationale Bekanntheit, vor allem in Deutschland und Großbritannien.

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Les Demoiselles d’Avignon (1907)

Nach dem Ersten Weltkrieg gab Picasso sein Bohémeleben auf, widmete sich dem Surrealismus und malte immer abstrakter und linienbetonter. Neben Ölbildern entstanden Stein- und Bronzeskulpturen. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war er berühmt, vor allem die vorher skeptischen Amerikaner wurden Fans. Sein Gemälde „Guernica“ (1937) stellt den Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs dar. Dunkle Farben, schmerz- und schreckverzerrte Gesichter, wüst verteilte Extremitäten, dazwischen Stier- und Pferdeköpfe. Picassos Taubenzeichnung für den Pariser Weltfriedenskongress 1949 avancierte schließlich zum Symbol vieler weltweiter Friedensdemonstrationen – bis heute. Ein schönes Detail: Seine Tochter wurde am Kongresstag geboren und erhielt den Namen Paloma (span. Taube).

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Guernica (1937)

Im Alter von 60 Jahren erlernte Picasso das Töpfern, stellte fortan Keramiken her und bemalte diese mit den Motiven seiner Kindheit: Stierkampfszenen und Figuren der Mythologie. In Südfrankreich kaufte er das „Chateau Vauvenargues“ und das Herrenhaus „Mas Notre-Dame de Vie“ nördlich von Cannes. Das Schloss wurde zum Lager seiner zahlreichen Kunstwerke, das Herrenhaus zu seinem Wohnsitz. 1971 würdigte der Louvre Picasso zum 90. Geburtstag mit einer Retrospektive. Damit war er der erste Künstler, dem diese Ehre zu Lebzeiten zuteilwurde. Zwei Jahre später starb Picasso an einem Herzinfarkt. Sein Nachlass zählt über 50.000 Werke, um das sich seine Familie ausgiebig stritt.

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Titelfoto und letztes Foto

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