Die Privatvorstellung

https://i0.wp.com/www.wdr5.de/sendungen/morgenecho/filmtipp154_v-ARDFotogalerie.jpg Kürzlich war ich allein im Kino. Das mache ich machmal, die Angelegenheit Kino ist ja eh dunkel und wenig gesprächsfördernd – jedenfalls solange der Film läuft. Wie dem auch sei, diesmal war ich auch allein. Unbeabsichtigt völlig allein. Nur der große Saal, die Leinwand und ich.

Kurz vor Filmbeginn kaufe ich eine Karte. An der Kasse bekomme ich noch den Hinweis, mein Platz sei heute frei wählbar. Ein Blick in die Sitzreihen verrät mir: keiner da. Ich nehme Platz und warte, dass es los geht. Noch völlig überrascht von der Vorstellung, nun zwei Stunden lang in einem verlassenen Raum zu sitzen, knipse ich ein paar Fotos und informiere meine Freunde. Plötzlich kommt in mir die Frage auf, ob diese Aktion nicht völlige Energieverschwendung sei, der ganze Aufwand für nur eine Person. Nachdem das Licht ausgeht und der erste Actiontrailer startet, beschleicht mich kurz die Angst. Zum Glück läuft gleich eine Komödie! Hier lauert jedoch schon die nächste Unsicherheit: Man lacht stellvertretend für einen ganzen Raum, gibt autark die Pointen vor. Außerdem raschelt und tuschelt keiner. Nichts lenkt ab und so kann man sich dem Geschehen intensiv widmen. Das ist zunächst ungewohnt, dann aber ganz angenehm. Mit den verstreichenden Minuten werde ich mutiger, mein kichern lauter, ich singe sogar den Soundtrack mit!

Als der Abspann startet, steht die finale Entscheidung an. Wann ist der perfekte Zeitpunkt, den Saal zu verlassen? Wenn man mit einer Gruppe ins Kino geht, kann man sich immer vergewissern, ob die Begleitung schon zum Aufbruch bereit ist. Ich entscheide mich, noch schnell das letzte Lied zu shazamen und stehe auf. Ein letzter Blick auf die Leinwand – am liebsten würde ich zurück in meinen Sessel und bis zum Ende des Abspanns bleiben. Die schwere Tür klemmt. Warum klemmen Türen immer, wenn gerade kein anderer zur Hilfe da ist?

Zuhause sehe ich, dass 207 Menschen mein Schicksal bei Instagram teilen. Unter #privatvorstellung sind wir allein und vereint zugleich. Beim Überfliegen der Bilder denke ich, dass ich während der Vorstellung irgendetwas ungewöhnlich hätte machen sollen. Mich auf den Boden legen, aufspringen und herumturnen oder alle fünf Minuten den Platz wechseln und die Perspektivenwechsel austesten. (Obwohl… ich saß doch schon auf dem besten Platz!) Die Reaktionen meiner Freunde auf meine Nachricht waren übrigens zunächst überrascht, dann aber positiv. Es kann schließlich nicht jeder von sich behaupten, für sieben Euro einen ganzen Kinosaal gemietet zu haben.


Gute Nachricht: Ich habe meine Instagram-Aktivitäten wieder aufgenommen! Neueste Fotos könnt ihr in der Seitenleiste und auf meinem Profil streifenshirt begutachten.

Titelfoto

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